Marco Carini: "Muttersuche - Adoptivkinder und Mütter erzählen"  (ISBN 978-3-86789-114-1)


Dieses Buch ermöglicht allen Interessierten sich ein Bild von dem
Gefühlsleben eines Adoptivkindes bzw. einer Herkunftsmutter zu machen.
Man spürt von Anfang an, dass es Berichte und Erfahrungen von
Betroffenen sind. Der gefühlsmäßige Unterschied zum Thema Adoption
zwischen Betroffenen und "Außenstehenden" wird deutlich bei dem
Interview mit Gisela Rust, welche in meinen Augen die Gefühlslage von
Adoptierten nicht nachvollziehen kann und die Problematik als
Außenstehende (Mitarbeiterin der Gemeinsamen Zentralen Adoptionsstelle
in Hamburg) eher neutral betrachtet und dies sicherlich auch so muss.

Öfters wird Frau Dr. phil. - Professorin für Erziehungswissenschaften -
Christine Swientek zitiert. Dies ist bei einer Betrachtung des Themas
Adoption inzwischen fast unumgänglich. Jedoch zeigt das Buch aber auf, dass Frau
Swientek trotz Doktor- und Professorentitel bei der Thematik immer eine
Außenstehende bleiben wird, welche lediglich eine rationale Beurteilung
darüber abgeben kann, niemals jedoch die Gefühle der Betroffenen verstehen
wird.

Das erste Mal las ich im Kapitel von Peter Kühn auch von einem
"Adoptionsviereck", in welchem eine Ecke das Jugendamt bzw. die
Adoptionsvermittlungsstelle einnimmt. Dies sehe ich nicht so. In meinen
Augen bleibt es ein Adoptionsdreieck und die Behörde der Mittelpunkt davon.
Ich denke, das veranschaulicht den Stellenwert der Vermittlungsstelle eher. Das ist aber meine ganz persönliche Meinung.

Die Berichte der Betroffenen umfassen alle Facetten von Herkunftssuchen,
angefangen von Happy End, über teilweisen Kontakt bis hin zur erneuten
Ablehnung. Selbst die Gefühle bei der (fast) unmöglichen Suche eines
Findelkindes, werden durch eine Betroffene formuliert.

Gerade diese Betroffenen haben es sehr schwer verstanden zu werden. Selbst
ein „normales“ Adoptivkind kann in solchen Fällen nur ansatzweise die
Ausmaße nachvollziehen.

Auch das umstrittene Thema der Babyklappen kommt zur Sprache. Sicherlich habe ich als Adoptierte eine andere Sichtweise als „Otto-Normal-Verbraucher“. Für mich ist jedes gerettetes Kind eine Babyklappe wert. Ich weiß auch, dass dadurch die Kindestötungen nicht unbedingt rückläufig sind, aber jedes  gerettete Kind, ist in meinen Augen Grund genug für diese „Nothilfestelle“. Immer noch besser als irgendwo anders „abgelegt“ und/oder zu spät gefunden.

Als Gesamtwerk gesehen, muss ich sagen, dass ich mich persönlich in vielen beschriebenen Ansichten und Gefühlen wieder gefunden habe und oft habe ich gedacht, dass könntest Du geschrieben haben.

Für mich das beste Buch, - trotz oder vielleicht genau wegen der kritisch hinterfragten Punkte - welches ich bisher zu der Thematik Adoption gelesen habe.

Vulnona@adoptionskreis.de


<~~~ Zurück