HILFE FÜR ADOPTIVELTERN (Tipps von Betroffenen)


1. Was können wir tun?

Seien Sie zu allererst Eltern, das ist es, was ihr Kind jetzt und auch später braucht. Geben Sie Liebe und Geborgenheit und lassen Sie sich von auftretenden Problemen und von Außenstehenden nicht verunsichern. Dieses kann unter Umständen für Sie durchaus auch schon mal, durch Unverständnis und mangeldes Verständnis, zum Teil beleidigend werden.
Es gibt auch von Außenstehenden und Unbeteiligten Verständnis und auch Unterstützung, diese sollten Sie annehmen. Es ist am Anfang fast unmöglich alles ganz alleine zu schaffen. Alles andere sollte man dann nicht allzu nah an sich rankommen lassen. Sie werden bestimmt schnell merken, wer es ehrlich meint oder nicht. Vertrauen Sie ihrem Gefühl.

Adoptieren Sie erst, wenn Sie aus tiefstem Grund Ihres Herzens akzeptiert haben, dass ein Adoptivkind nie ein leibliches Kind und ein Ersatz dafür sein wird. Es wird zwar Ihr eigenes Kind werden. Sie werden es lieben, wie es nur Eltern können. Trotzdem wird es aber immer erste Eltern und eine eigene Geschichte haben.
Sollte es ernsthafte Schwierigkeiten geben, holen Sie sich professionelle Hilfe. Ansprechpartner hierfür könnte z.B. die Adoptionsvermittlungsstelle, eine Familienberatungsstelle oder ihr Kinderarzt sein.
Um ihrem Kind später die Vergangenheit vor ihrem gemeinsamen Leben näher bringen zu können, versuchen Sie möglichst viele Informationen (vom Jugendamt usw.) über die Herkunft, das bisherige Leben und die Umstände der Freigabe ihres Kindes zu bekommen.
Sollte Ihr Kind bereits Geschwister haben, die bei Pflege- oder Adoptiveltern leben, können Sie versuchen, über das Jugendamt Kontakt aufzunehmen. Da Jugendämter offiziell nicht helfen dürfen, wäre eine weitere Möglichkeit auf Suchdienste (bei Adoption kostenfrei) zurückzugreifen, in ganz schwierigen Fällen ist die Einschaltung einer Detektei (kostenpflichtig) möglich. Bei dringend gesundheitlichen Gründen gibt es auch Sonderregelungen.
Der Austausch mit anderen Adoptiveltern ist wichtig. Sie teilen diese einzigartige Erfahrung der Adoption nur mit einer kleinen Minderheit anderer Menschen.
Wenn Sie in einem größeren Ort leben, gibt es vielleicht auch gemeinnützige Vereine oder Selbsthilfegruppen, welche sich mit dem Thema Adoption beschäftigen
Für die Kinder sind Treffen mit anderen Adoptivfamilien wichtig. Sie erfahren dadurch ganz konkret, dass sie nicht die einzigen Kinder mit diesem Schicksal sind.
Vernachlässigen Sie aber darüber nicht den Austausch mit Familien mit leiblichen Kindern. Vieles relativiert sich dann. Vieles ist einfach nur ganz normal und hat nichts mit der Adoption zu tun.
Denken Sie an die Zukunft. Sie müssen sich bewusst sein, dass ihr Kind irgendwann Fragen hinsichtlich seiner Herkunft stellen wird. Jeder Hinweis (Name, Ort, (Halb-)Geschwister, Erbkrankheiten) könnte für das Kind wichtig sein. Bilder wären von besonderer Bedeutung, um von dem Unbekannten eine konkrete Vorstellung zu bekommen.

2. Wie sollen wir uns verhalten?

Versuchen Sie nie ihrem Kind betreffs der Adoption etwas vorzuspielen. Kinder haben sehr feine Antennen für so etwas.
Machen Sie sich vor allem bewusst, dass die Suche und auch ein vielleicht entstehender Kontakt, nichts an der Bindung zwischen Ihnen und Ihrem Kind ändern wird. Sehen Sie die Suche nicht als "Infragestellen" Ihrer Position und seien sie nicht gekränkt, denn das ist es, was Ihr Kind gerade in dieser Situation nicht gebrauchen kann. Ihr Kind möchte einfach den Anfang seines Lebens erforschen. Stellen Sie sich einen spannenden Film vor, bei dem Sie den Anfang verpasst haben. So geht es Ihrem Kind.


3. Wann sage ich es meinem Kind?

Da gibt es leider kein Patentrezept. Bedenken Sie aber bei der Frage nach dem richtigen Zeitpunkt, dass es schlimm für ein Kind ist, wenn es diese Information von jemand Anderem erhält.

Manche sind der Meinung, man sollte es dem Kind von Anfang an mitteilen. Dies unter anderem auch deshalb, um dem Kind keine Märchen erzählen zu müssen.
Manche halten das frühe Schulalter für angebracht, das junge Schulalter auch deshalb, weil dort die Bindung zum Elternhaus, also zu Ihnen, fester ist als früher oder später. Andere halten eine spätere Aufklärung für angebrachter. Bei dieser Frage spielt sowohl der Entwicklungsstand des Kindes, die weitere Familienplanung als auch die Art der Adoption und das Umfeld eine Rolle.

4. Wie sage ich es meinem Kind?

Das ist eine sehr wichtige Frage, die sehr schwierig zu beantworten ist. Man kann Kinder mit Büchern an diese Sache heranführen. Zum Beispiel mit dem Buch "Der Findefuchs"(ISBN 10 3423075701 oder ISBN-13 978-3423075701).
Sie sollten versuchen, bei der Aufklärung des Kindes über seine Adoption einigermaßen ruhig und gefasst zu bleiben, auch wenn dessen Fragen Sie vielleicht "kalt erwischt" haben.
Erzählen Sie sachlich und wahrheitsgemäß. Sagen Sie dem Kind, woher sie diese Informationen haben. Unehrlichkeit merken besonders diese Kinder sofort. Machen Sie die Herkunftseltern Ihrem Kind gegenüber nicht schlecht. Sie beziehen Ihr Wissen vom Jugendamt, aber wer garantiert Ihnen die Wahrheit? Außerdem ist diese Herkunft Teil Ihres Kindes. Wenn Sie die Herkunft schlecht machen, machen Sie dann nicht auch diesen Teil Ihres Kindes schlecht? Um ihrem Kind später die Vergangenheit vor ihrem gemeinsamen Leben näher bringen zu können, versuchen Sie möglichst viele Informationen (vom Jugendamt, Heim usw.) über die Herkunft, das bisherige Leben und die Umstände der Freigabe ihres Kindes zu bekommen. Halten Sie diese Fakten fest, damit Sie ihrem Kind diese zur Verfügung stellen können, wenn es suchen möchte.Versuchen Sie möglichst früh, Spuren zu sichern. Denn wenn ein Kind selber zu suchen anfängt, kann vieles schon nicht mehr auffindbar oder vergessen sein. Dies gilt insbesondere für Auslandsadoptionen.
Schön wäre es wenn auch Sie ab und an einen kleinen Bericht über die Entwicklung Ihres Kindes beim Jugendamt hinterlegen können. Dieser kann für die leibliche Mutter von großer Bedeutung sein und Sie vermitteln ihr damit das Gefühl, dass es das Kind bei Ihnen wirklich gut getroffen hat.

Sagen Sie dem Kind, ob es im Heim war und vor allem wo.
Es kann sehr wichtig für ein Kind sein, diese Orte einmal zu sehen. Auch wenn es keine Heime mehr sind, auch hier der Hinweis, einige Fotos zu machen. So weiß Ihr Kind später, wo das Leben begonnen hat.


5. Ihr Kind möchte suchen?

Lassen Sie es suchen! Eine Suche bedeutet nicht, dass Sie Ihrer Elternrolle nicht gerecht geworden sind.
Das Kind möchte in der Regel folgendes wissen:

Woher komme ich?
Was hat die Freigabe zur Adoption für Gründe gehabt?
Nach wem komme ich?
Wem sehe ich ähnlich?
Was für Krankheiten traten auf?
Habe ich noch Geschwister und wo und wie kann ich sie finden?

Das sind die Fragen, welche Adoptierte sich unter Umständen stellen. Sie möchten einfach nur ein leeres Blatt ihrer Vergangenheit beschreiben können, an das sie sich nicht erinnern können.
Helfen Sie Ihrem Kind bei der Suche, wenn es das möchte!
Überlassen Sie Ihrem Kind den Zeitpunkt und das Tempo der Suche. Seien Sie aber immer da, wenn es Unterstützung welcher Art auch immer braucht.
Es kann bei einer Suche viel Negatives auftreten. In solchen Fällen braucht das Kind eine Begleitung durch vertraute Personen. Das sind Sie als Adoptiveltern!
Adoptivkinder sehen Sie in der Regel als Eltern und Vertrauensperson.
Wenn Sie sich nicht sicher sind, wenden Sie sich an das zuständige Jugendamt. Dieses wird Ihnen dabei helfen. Fragen Sie Ihr Kind, ob Sie es bei diesem Termin dabei haben will. Es ist für das Kind kein normaler Behördengang. Es ist ein Schritt in die Vergangenheit und für die weitere Zukunft.
Sollten Sie Betroffene kennen, befragen Sie diese oder lassen Sie diese durch Ihr Kind befragen. Diese Personen haben einen ganz anderen Bezug zu dieser Problematik. Das Verständnis ist ein ganz anderes. Wie man so schön sagt, die Chemie stimmt. Betroffene haben in diesem Punkt eine große Gemeinsamkeit und das verbindet.
Es ist das Gleiche, als wenn sich Heimkinder irgendwie gegenseitig erkennen, ohne dass sie es vorher wussten.

Begleiten Sie Ihr Kind auf dessen Lebensweg, der eben oft über die Suche und Informationen über die Herkunft führt.

Trotz aller Besonderheiten sollten Sie nie vergessen:

Es ist und bleibt das "Abenteuer" Kind.


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